
Warum Malervlies statt Tapete streichen?
Als Sabine die Tapete in ihrem Elternhaus abriss, um endlich die Wände in einem sanften Salbeigrün zu streichen, kam unter der alten Raufaser ein Netz feiner Risse zum Vorschein. Jahrzehntelanges Setzen des Hauses hatte seine Spuren hinterlassen, und der Verputz bröckelte an mehreren Stellen. Ein Anruf beim Malerbetrieb ihres Vertrauens brachte die Lösung, mit der sie zuvor nie gerechnet hätte: kein neuer Anstrich direkt auf die Wand, sondern zunächst Malervlies. Der Handwerker erklärte ihr, dass genau solche Situationen der Klassiker seien, in denen sich dieses Material bewährt – und dass immer mehr Heimwerker inzwischen von der klassischen Tapete auf diese Variante umsteigen, lange bevor überhaupt der erste Riss sichtbar wird.
Die Vorteile von Malervlies
Malervlies, oft auch als Renoviervlies oder Streichvlies bezeichnet, ist im Grunde eine Zwischenlösung zwischen nackter Wand und fertiger Tapete. Es handelt sich um ein Vlies aus Zellulose- und Textilfasern, das wie eine gewöhnliche Tapete verklebt wird, anschließend jedoch nicht mit einem fertigen Muster daherkommt, sondern rein weiß oder leicht strukturiert bleibt. Erst der Anstrich mit Dispersionsfarbe verleiht der Wand ihre endgültige Optik. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Raufasertapete liegt in der Flexibilität: Während bedruckte oder strukturierte Tapeten meist auf eine bestimmte Farbwahl oder ein bestimmtes Muster festgelegt sind, lässt sich Malervlies beliebig oft überstreichen, ohne dass sich Struktur oder Haptik verändern. Wer also in fünf Jahren die Wandfarbe wechseln möchte, muss nicht erneut tapezieren, sondern greift einfach zum Pinsel.
Gerade bei Wänden mit kleineren Unebenheiten, Haarrissen oder leicht rauem Untergrund spielt Malervlies seine Stärken aus. Die Fasern überbrücken feine Risse und gleichen optische Mängel aus, ohne dass vorher aufwendig gespachtelt werden muss. Für Sabines Elternhaus bedeutete das: Statt tagelang zu verputzen, zu schleifen und erneut zu verputzen, genügte es, die Wand grob zu reinigen und lose Stellen zu entfernen, bevor das Vlies aufgebracht wurde. Diese risseüberdeckende Eigenschaft macht das Material besonders attraktiv für Altbauten, in denen sich Wände im Laufe der Jahre naturgemäß verschieben und kleine Spannungsrisse entstehen. Auch bei Neubauten, in denen der Putz noch nicht vollständig durchgetrocknet ist und weiterhin arbeitet, gilt Malervlies als deutlich toleranter gegenüber solchen Bewegungen als eine starre Wandfarbe allein.
Der Verarbeitungsprozess selbst unterscheidet sich kaum von dem einer klassischen Vliestapete. Zunächst wird die Wand von Staub, losen Farbresten und Fett befreit, tiefe Löcher werden gespachtelt und Kanten geglättet. Anschließend trägt man Tapetenkleister direkt auf die Wand auf – nicht auf die Vliesbahn, was den Arbeitsschritt gegenüber Papiertapeten spürbar vereinfacht. Die Bahnen werden zugeschnitten, angesetzt und mit einer Glättkelle oder einem Tapezierpinsel luftblasenfrei angedrückt. Stoß an Stoß verklebt, ergibt sich eine nahtlose Fläche, die nach dem vollständigen Trocknen – je nach Raumklima meist ein bis zwei Tage – gestrichen werden kann. Wichtig ist dabei, dem Vlies wirklich Zeit zu geben, bevor die erste Farbschicht aufgetragen wird, da zu frühes Streichen die Haftung beeinträchtigen und Blasenbildung begünstigen kann. Für den Anstrich selbst eignet sich handelsübliche Dispersionsfarbe, wobei die erste Schicht oft leicht verdünnt aufgetragen wird, um das Vlies zu grundieren und ein gleichmäßiges Saugverhalten zu erzielen.
Wirtschaftlich betrachtet lohnt sich der Umstieg besonders für alle, die ihre Wände in absehbarer Zeit mehrfach umgestalten möchten, sei es aus geschmacklichen Gründen oder weil eine Immobilie vermietet wird und zwischen den Mieterwechseln ein neuer Anstrich fällig ist. Vermieter schätzen an Malervlies vor allem die Robustheit: Kleinere Kratzer oder Dübellöcher lassen sich unkompliziert ausbessern, ohne dass gleich die gesamte Tapete erneuert werden muss. Ein einfacher Anstrich genügt oft, um die Wand wieder in einen makellosen Zustand zu versetzen. Auch preislich ist Vlies in der Regel nicht teurer als hochwertige Raufaser, dafür aber langlebiger, da es mehrere Anstriche über Jahre hinweg problemlos übersteht, ohne brüchig zu werden oder sich von der Wand zu lösen. Wer die Gesamtkosten über einen Zeitraum von zehn oder fünfzehn Jahren betrachtet, kommt mit Malervlies häufig günstiger weg als mit wiederholtem kompletten Neutapezieren.
Neben der praktischen Seite gibt es auch einen gestalterischen Aspekt, der oft unterschätzt wird. Malervlies gibt es in unterschiedlichen Strukturen, von ganz glatt bis fein genarbt, sodass sich je nach gewünschtem Wandcharakter unterschiedliche Effekte erzielen lassen. Eine glatte Variante eignet sich für moderne, minimalistische Räume, während eine leicht strukturierte Ausführung kleinere Unebenheiten noch besser kaschiert und dem Raum eine gewisse Wärme verleiht. Wer mit Wandfarben experimentieren möchte, etwa mit kräftigen Akzentwänden oder spannenden Farbverläufen, profitiert davon, dass sich Fehlversuche jederzeit problemlos überstreichen lassen. Bei einer bedruckten Tapete wäre ein Farbwechsel deutlich aufwendiger, da meist erst das komplette Muster entfernt werden müsste, bevor überhaupt gestrichen werden kann.
Ein Punkt, der in der Praxis häufig für Verwirrung sorgt, betrifft die Auswahl der richtigen Grammatur. Leichtere Vliese um 130 bis 150 Gramm pro Quadratmeter eignen sich für Wände mit wenigen Mängeln und dienen vor allem der Egalisierung der Saugfähigkeit, während schwerere Qualitäten ab 200 Gramm deutlich mehr Risse und Unebenheiten kaschieren können. Für stark beanspruchte Bereiche wie Flure oder Kinderzimmer empfiehlt sich generell die robustere Variante, da sie mechanischen Belastungen besser standhält und sich bei Bedarf leichter wieder von der Wand lösen lässt, sollte doch einmal eine grundlegende Sanierung anstehen. Gerade dieser letzte Punkt überrascht viele: Anders als man vermuten könnte, lässt sich hochwertiges Malervlies bei Bedarf rückstandsfrei abziehen, da es speziell für spätere Entfernung konzipiert ist – ein Vorteil, der bei mehrfach überstrichenen klassischen Tapeten oft zum echten Problem wird, wenn Farbschichten und Untergrund regelrecht verwachsen sind.
Am Ende stand Sabine vor einer makellos grünen Wand, unter der niemand mehr die einstigen Risse vermutet hätte. Für sie war die Entscheidung für Malervlies weniger eine bewusste Grundsatzfrage als vielmehr eine pragmatische Lösung für ein konkretes Problem, das sich mit der Zeit ergeben hatte.
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Maler & LackiererHäufig gestellte Fragen
Was ist Malervlies?
Malervlies ist ein Vlies aus Zellulose- und Textilfasern, das als Zwischenlösung zwischen nackter Wand und Tapete dient. Es kann mehrfach überstrichen werden, ohne die Struktur zu verändern.
Warum sollte ich Malervlies statt Tapete wählen?
Malervlies bietet Flexibilität, ist langlebig und kaschiert Unebenheiten besser als herkömmliche Tapeten. Es ist ideal für Alt- und Neubauten.
Wie wird Malervlies verarbeitet?
Malervlies wird ähnlich wie Vliestapete verarbeitet. Die Wand wird vorbereitet, Kleister aufgetragen und das Vlies dann angesetzt und angedrückt.
Kann ich Malervlies mehrfach streichen?
Ja, Malervlies kann beliebig oft überstrichen werden, was es ideal für wechselnde Farbgestaltungen macht, ohne dass die Struktur leidet.
Wie wähle ich die richtige Grammatur für Malervlies?
Leichtere Vliese eignen sich für weniger beschädigte Wände, während schwerere Varianten für stark beanspruchte Bereiche empfohlen werden. Die Wahl hängt von der Wandbeschaffenheit ab.



