
Als Herbert Krause im vergangenen Frühjahr das Gerüst an seinem Elternhaus abbauen ließ, stand er vor einem Rätsel, das ihn Wochen beschäftigt hatte. Das über achtzig Jahre alte Fachwerkhaus in der Altstadt sollte einen neuen Anstrich bekommen, doch der Malermeister und der Bausachverständige, den er zur Sicherheit hinzugezogen hatte, waren sich uneinig. Der eine schwor auf Silikatfarbe, wie sie schon sein Großvater verwendet hatte, der andere empfahl eine moderne Silikonharzfarbe. Beide Argumente klangen plausibel, beide Fachleute verwiesen auf jahrzehntelange Erfahrung – und Krause merkte schnell, dass hinter der scheinbar simplen Frage nach der richtigen Fassadenfarbe ein ganzes Bündel bauphysikalischer Überlegungen steckte, die über Jahre hinweg entscheiden würden, ob sein Haus trocken, schön und schadensfrei bleibt.
Silikatfarbe: Eine bewährte Wahl für historische Gebäude
Die Geschichte der Silikatfarbe reicht weit zurück, sie gilt als eine der ältesten industriell hergestellten Fassadenfarben überhaupt. Ihr Bindemittel ist Kaliwasserglas, eine anorganische Verbindung, die mit dem mineralischen Untergrund eine chemische Reaktion eingeht – die sogenannte Verkieselung. Dabei verbindet sich die Farbe untrennbar mit dem Putz oder dem Mauerwerk, sie liegt nicht nur auf der Oberfläche, sondern wird Teil davon. Genau das macht Silikatfarben so widerstandsfähig gegenüber Wettereinflüssen und so beliebt bei der Sanierung historischer Gebäude, bei denen ohnehin mineralische Putze zum Einsatz kommen. Für Krauses Fachwerkhaus, dessen Wände aus Kalkputz bestehen und seit Generationen atmen konnten, schien diese Eigenschaft ein starkes Argument zu sein. Silikatfarben sind extrem diffusionsoffen, sie lassen Feuchtigkeit, die von innen nach außen wandert, nahezu ungehindert entweichen. Gerade bei älteren Gebäuden ohne moderne Dampfsperren ist das ein entscheidender Vorteil, denn eingeschlossene Feuchtigkeit führt langfristig zu Schimmel, abplatzendem Putz und im schlimmsten Fall zu Bauschäden im Gebälk.
Silikonharzfarbe: Die moderne Alternative
Doch die Sache hat einen Haken, auf den der Malermeister immer wieder hinwies: Silikatfarben verzeihen keine Fehler beim Untergrund. Sie funktionieren nur zuverlässig auf mineralischen, saugfähigen Materialien wie Kalk-, Kalkzement- oder reinem Zementputz. Wärmedämmverbundsysteme mit organischen Putzen, alte Anstriche auf Kunstharzbasis oder gar Voranstriche mit Dispersionsfarbe vertragen sich mit dem chemischen Verkieselungsprozess nicht, hier haftet die Farbe schlicht nicht dauerhaft. Zudem ist die Verarbeitung anspruchsvoller: Silikatfarben reagieren empfindlich auf Temperaturschwankungen, benötigen oft einen speziellen Fixativ-Voranstrich und lassen sich nicht beliebig mit jeder Wunschfarbe einfärben, da zu intensive Pigmente die Kieselsäurereaktion stören können. Für einen Bauherren, der schnell und unkompliziert renovieren möchte, kann das zur Geduldsprobe werden.
An dieser Stelle kam die Silikonharzfarbe ins Spiel, die Krauses zweiter Berater favorisierte. Sie zählt zu den jüngeren Entwicklungen der Fassadenfarben und kombiniert die Vorteile mehrerer Techniken. Ihr Bindemittel besteht aus Silikonharzemulsion, ergänzt durch geringe Mengen an Kunstharzdispersion, wodurch sie zwar organisch, aber dennoch außergewöhnlich wasserabweisend und gleichzeitig diffusionsoffen ist. Diese Kombination wird gerne mit dem Bild eines Regenmantels beschrieben, der zugleich atmungsaktiv ist: Von außen perlt Wasser ab, weil die Oberflächenspannung durch die Silikonharzanteile deutlich erhöht wird, von innen kann Wasserdampf trotzdem entweichen, wenn auch nicht ganz so ungehindert wie bei der Silikatfarbe. Für viele moderne Fassaden, insbesondere solche mit Wärmedämmverbundsystemen, ist genau dieses Verhalten ideal, da hier die Kombination aus Wetterschutz und Feuchteregulierung im Vordergrund steht.
Ein weiterer Pluspunkt, der in der Praxis oft unterschätzt wird, ist die geringere Verschmutzungsanfälligkeit von Silikonharzfarben. Weil Regenwasser an der Oberfläche abperlt statt einzudringen, werden Schmutzpartikel und Algensporen regelrecht abgewaschen, bevor sie sich festsetzen können. Fassaden in schattigen, feuchten Lagen, an denen sich klassische Dispersionsfarben schnell mit einem grünlichen Belag überziehen, bleiben mit Silikonharzfarbe deutlich länger sauber. Auch die Verarbeitung gilt als unkomplizierter: Silikonharzfarben lassen sich auf den meisten intakten Altanstrichen auftragen, benötigen seltener aufwendige Voranstriche und sind in nahezu jeder gewünschten Farbnuance erhältlich, ohne dass chemische Reaktionen die Pigmentierung einschränken. Für Bauherren, die Wert auf gestalterische Freiheit legen, ist das ein handfestes Argument.
Allerdings zeigte sich in Krauses Fall schnell, warum die Wahl nicht allein von modernen Komfortvorteilen abhängen sollte. Der Bausachverständige erklärte ihm, dass Silikonharzfarben zwar diffusionsoffen sind, aber eben nicht in dem Maße wie die rein mineralische Silikatfarbe. Bei einem Fachwerkhaus mit Lehm- oder Kalkputz, das seit jeher auf einen ungehinderten Feuchtetransport angewiesen ist, kann selbst eine geringfügige Reduktion der Diffusionsfähigkeit über Jahre zu Feuchtestau führen, besonders wenn zusätzlich Innenraumfeuchtigkeit durch modernes Wohnverhalten – häufigeres Duschen, dichtere Fenster, weniger Lüften – hinzukommt. Silikatfarbe hingegen sei für genau solche Altbauten entwickelt worden und harmoniere mit dem gesamten bauphysikalischen System des Hauses, von der Wand bis zum Dachstuhl. Bei einem Neubau mit modernem Dämmsystem sähe die Empfehlung dagegen anders aus, hier könne die höhere Wetterbeständigkeit und einfachere Verarbeitung der Silikonharzfarbe klar überwiegen.
Am Ende entschied sich Krause, dem Rat des Sachverständigen zu folgen und die Fassade seines Elternhauses mit Silikatfarbe streichen zu lassen – nicht, weil sie grundsätzlich die bessere Farbe wäre, sondern weil sie zum Baukörper passte. Diese Erkenntnis zieht sich durch nahezu jede fundierte Beratung zum Thema Fassadenanstrich: Es gibt kein universell überlegenes Produkt, sondern nur die passende Lösung für den jeweiligen Untergrund, das Baujahr, das Klima am Standort und die individuellen Ansprüche der Bewohner. Wer vor der gleichen Entscheidung steht wie Krause, tut gut daran, nicht allein auf Prospektversprechen zu vertrauen, sondern den Zustand des Putzes, die Bauweise des Hauses und die feuchtetechnischen Anforderungen genau prüfen zu lassen. Denn eine Fassadenfarbe hält im Idealfall zwei Jahrzehnte oder länger – und in dieser Zeit zeigt sich, ob die Entscheidung tatsächlich zum Haus gepasst hat oder nicht. Fassadenfarbe ist ein wichtiges Thema, das viele Aspekte umfasst.
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Fassadenanstrich in Bad Homburg vor der Höhe. Leistungen: Malerarbeiten, Putzarbeiten, Tapezierarbeiten, Trockenbau.
Fassadenanstrich Maler & LackiererHäufig gestellte Fragen
Was sind die Hauptunterschiede zwischen Silikonharzfarbe und Silikatfarbe?
Silikonharzfarbe ist wasserabweisend und einfacher zu verarbeiten, während Silikatfarbe eine chemische Verbindung mit mineralischen Untergründen eingeht und diffusionsoffen ist.
Für welche Gebäude eignet sich Silikatfarbe am besten?
Silikatfarbe eignet sich besonders gut für historische Gebäude und Altbauten mit mineralischen Putzen, da sie eine hohe Diffusionsfähigkeit bietet.
Kann ich Silikonharzfarbe auf alten Anstrichen verwenden?
Ja, Silikonharzfarbe kann in der Regel auf intakten Altanstrichen aufgetragen werden, was die Anwendung erleichtert.
Wie lange hält eine Fassadenfarbe im Durchschnitt?
Eine hochwertige Fassadenfarbe sollte im Idealfall zwei Jahrzehnte oder länger halten, abhängig von den Umwelteinflüssen und der Verarbeitung.
Welches Produkt ist besser für Neubauten geeignet?
Für Neubauten mit modernen Dämmsystemen ist Silikonharzfarbe oft die bessere Wahl, da sie wetterbeständig und einfach zu verarbeiten ist.



